Elektroschrott entsorgen: Der Anspruch, den kaum jemand nutzt

Symbolbild, KI-generiert
Elektroschrott entsorgen: Neben dem Wertstoffhof gibt es einen Anspruch, den kaum jemand nutzt — große Händler und seit Juli 2022 auch Supermärkte und Discounter mit entsprechender Verkaufsfläche müssen Altgeräte zurücknehmen. Kleingeräte bis 25 Zentimeter sogar ohne Neukauf.
Der alte Toaster muss nicht zum Wertstoffhof. Er darf im Supermarkt abgegeben werden, in dem er nie gekauft wurde — kostenlos und ohne dass man etwas Neues mitnimmt.
Das Wichtigste in Kürze
- Geräte bis 25 cm Kantenlänge: Rücknahme ohne Neukauf, bis zu drei Stück je Geräteart.
- Größere Geräte: Rücknahme bei Kauf eines gleichartigen Neugeräts.
- Betroffen sind große Elektrohändler und seit Juli 2022 auch Lebensmittelhändler ab einer bestimmten Fläche.
- Elektrogeräte gehören nie in den Restmüll — auch nicht die kleinen.
- Vor der Abgabe: Daten löschen, Batterien und Akkus entnehmen.
Die Rücknahmepflicht des Handels
Das Elektro- und Elektronikgerätegesetz verpflichtet Vertreiber mit ausreichend großer Verkaufs- oder Lagerfläche zur unentgeltlichen Rücknahme. Seit dem 1. Juli 2022 gilt das ausdrücklich auch für Lebensmitteleinzelhändler, die regelmäßig Elektrogeräte anbieten — also für Supermärkte und Discounter.
| Gerätegröße | Bedingung | Menge |
|---|---|---|
| bis 25 cm Kantenlänge | kein Neukauf nötig | bis zu drei Stück je Geräteart |
| über 25 cm | Kauf eines gleichartigen Neugeräts | eins zu eins |
| Onlinehandel | dieselben Pflichten, Rückgabe organisiert der Händler | — |
Die 25-Zentimeter-Regel ist der praktisch nützlichste Teil. Darunter fallen Toaster, Wasserkocher, Föhne, Rasierer, Handys, Ladegeräte, Fernbedienungen, elektrische Zahnbürsten. Man kann sie im Supermarkt abgeben, ohne etwas zu kaufen — die Sammelbox steht oft im Eingangsbereich.
Bei Onlinekäufen gelten dieselben Pflichten. Wer eine Waschmaschine im Netz bestellt, kann die alte zurückgeben; wie das abläuft, muss der Händler beim Kauf mitteilen.
Warum du Elektroschrott nie über den Restmüll entsorgen darfst
Zwei Gründe, und beide sind konkret. Elektrogeräte enthalten Wertstoffe — Kupfer, Aluminium, Edelmetalle, seltene Erden —, die bei der Verbrennung verloren gehen. Und sie enthalten Schadstoffe: Kältemittel in Kühlgeräten, Quecksilber in Leuchtmitteln, Blei in älteren Bildschirmen. Wer sich ohnehin mit Ressourcenschonung beschäftigt, findet auf Solaranlage Informationen zur eigenen Stromerzeugung.
Dazu kommt ein Risiko, das in den letzten Jahren stark zugenommen hat: Lithium-Ionen-Akkus. Sie geraten bei mechanischer Beschädigung in Brand — in Müllfahrzeugen und Sortieranlagen ist das eine reale und regelmäßige Ursache für Feuer. Akkus und Batterien gehören deshalb vor der Abgabe heraus, sofern sie sich zerstörungsfrei entnehmen lassen.
Kostenfalle
Elektrogeräte im Sperrmüll. Mehrere Kommunen holen sie mit eigenen Fahrzeugen ab — wer sie zum übrigen Sperrmüll stellt, riskiert, dass beides liegen bleibt.
| Essen | getrennte Sammlung, höchstens zwei Großgeräte |
| Duisburg | eigenes Fahrzeug, separate Anmeldung nötig |
| Remscheid | Express 42 € für Elektro allein, 97 € mit Sperrmüll |
| Baesweiler | 15 € je Haushaltsgroßgerät bei Abholung |
| Am Wertstoffhof | fast überall kostenlos |
Die Reihenfolge ist also fast immer dieselbe: erst Handel oder Wertstoffhof, dann Sperrmüll. Was in deiner Gemeinde gilt, steht in der jeweiligen Ortsakte.
Vor der Abgabe: Daten und Akkus
- Daten löschen. Bei Handys, Rechnern und Festplatten reicht das Zurücksetzen oft nicht — sicherer ist mehrfaches Überschreiben oder physische Zerstörung des Datenträgers. Die EBE Essen weist ausdrücklich darauf hin, dass sie das nicht übernimmt.
- Akkus und Batterien entnehmen, soweit zerstörungsfrei möglich. Sie werden getrennt gesammelt.
- Leuchtmittel getrennt halten. Energiesparlampen und Leuchtstoffröhren enthalten Quecksilber und brechen leicht.
- Kühlgeräte nicht kippen. Der Kältemittelkreislauf darf nicht beschädigt werden — und Kommunen laden sie nur leer und sauber.
Elektroschrott entsorgen: die fünf Wege im Überblick
| Weg | Passt für | Kosten |
|---|---|---|
| Supermarkt, Discounter | Kleingeräte bis 25 cm | kostenlos, kein Neukauf |
| Elektrohändler | Großgeräte beim Neukauf | kostenlos, eins zu eins |
| Wertstoffhof | alles, auch ohne Neukauf | fast überall kostenlos |
| Sperrmüllabholung | schwere Großgeräte | je nach Kommune, teils gebührenpflichtig |
| Schadstoffmobil | Leuchtmittel, Batterien | kostenlos |
Bei größeren Mengen — mehrere Kühlgeräte, viele Leuchtstoffröhren — bitten einzelne Betriebe um telefonische Abstimmung, damit die Aufnahmekapazität reicht. Ein Anruf vor der Fahrt spart die Rückfahrt.
Elektroschrott gehört nie in einen Container. Was hineindarf und was zur Umstufung führt, steht unter Mischcontainer. Wie wir Angaben erheben, in der Methodik.
Was einzelne Höfe zusätzlich verlangen
Die Rücknahmepflicht gilt bundesweit, die Abgabe am Hof regelt jede Kommune selbst. Vier Beispiele zeigen, wie weit das auseinandergeht:
| Ort | Regel |
|---|---|
| Kamen | entnehmbare Akkus selbst herausnehmen und separat übergeben |
| Berlin | Akkus entnehmen, Pole abkleben gegen Kurzschlüsse |
| Unterhaching | beschädigte Nachtspeichergeräte können abgelehnt werden |
| Holzwickede | keine Annahme von Elektrogeräten |
Holzwickede ist der Ausreißer und zeigt, warum ein Anruf vorher lohnt: Der Hof nimmt Holz, Sperrmüll, Grünschnitt, Papier und Metall — Elektrogeräte aber gar nicht. Wer beides zusammen auflädt, nimmt die Hälfte wieder mit.
In der Region Hannover gehen Fernseher und Monitore größenunabhängig an jedem Hof, Kleingeräte mit Kantenlängen unter 50 Zentimetern ebenfalls — Großgeräte dagegen nur an sechs von zwanzig Standorten, dort höchstens zwei je Person und Tag. Mehr dazu unter Wertstoffhof Bissendorf.
Niemand löscht deine Daten
Zwei Betriebe stellen es ausdrücklich klar. Die Abfallwirtschaft der Region Hannover schreibt schlicht: aha löscht keine Daten, etwa auf Handys. Die BSR in Berlin bittet, Geräte mit Akku direkt am Annahmetisch abzugeben.
Das heißt: Zurücksetzen ist deine Aufgabe, nicht die des Hofs. Smartphone, Laptop, Router, Festplatte, sogar manches Küchengerät mit WLAN — wer sie ungelöscht abgibt, gibt seine Daten mit weg. Vor der Fahrt auf Werkseinstellungen zurücksetzen, bei Festplatten überschreiben oder ausbauen.
Kostenfalle
Die Stadtreinigung Hamburg warnt vor „Elektrogeräte-Sammlern“ vor den Recyclinghöfen. Wer sein Gerät am Hof abgibt, hat die Sicherheit, dass es fachgerecht zerlegt und verwertet wird. Bei einer Übergabe davor ist der Verbleib unklar.
| Abgabe am Hof | fachgerechte Verwertung gesichert |
| Übergabe an Sammler davor | Verbleib unklar, Daten unklar |
| Straßensammlung ohne Auftrag | rechtlich unzulässig |
| Richtig | bis zur Schranke fahren |
Das ist dieselbe Logik wie bei der Haustür-Masche, nur örtlich verschoben — mehr dazu unter Sperrmüll Abzocke.
Häufige Fragen
Muss der Supermarkt meinen alten Toaster nehmen?
Wenn er regelmäßig Elektrogeräte anbietet und die Fläche ausreicht: ja, seit Juli 2022. Geräte bis 25 Zentimeter werden ohne Neukauf zurückgenommen, bis zu drei Stück je Geräteart.
Was zählt als 25 Zentimeter?
Die längste Außenkante des Geräts. Toaster, Wasserkocher, Föhne und Handys liegen darunter, ein Staubsauger oder Mikrowelle in der Regel darüber.
Gilt die Rücknahme auch online?
Ja, für Onlinehändler gelten dieselben Pflichten. Die Rückgabe muss der Händler organisieren und beim Kauf darüber informieren.
Was mache ich mit dem Akku?
Entnehmen, wenn es zerstörungsfrei geht, und getrennt abgeben. Beschädigte Lithium-Ionen-Akkus sind eine häufige Brandursache in Sammelfahrzeugen.
Kostet die Abgabe am Wertstoffhof etwas?
In aller Regel nicht — Elektroschrott ist eine der wenigen Fraktionen, die nahezu überall kostenlos angenommen wird. Kostenpflichtig ist eher die Abholung.
Quellen
- Elektro- und Elektronikgerätegesetz (ElektroG), Rücknahmepflichten der Vertreiber — abgerufen am 27.08.2026